Körpersprache entschlüsselt, Teil 2
Im letzten Teil dieser Serie ging es um die Grundlagen des Lesens und Verstehens von Körpersprache. Wir haben gelernt: Um den Nutzen der Körpersprache voll auszuschöpfen, musst du sie in ihrem jeweiligen Kontext lesen und alle möglichen Signale deines Gegenübers beobachten.
Heute besprechen wir einige praktische Wege, wie du Konzepte der Körpersprache anwenden kannst, um den Rapport mit deinem Gegenüber zu vertiefen und deine Überzeugungskraft durch nonverbale Aussagen sofort zu steigern.
Wie nah solltest du beim Gespräch stehen?
Wenn du deinem Gegenüber die richtige Botschaft senden und schon beim ersten Treffen Respekt und Rücksichtnahme ausstrahlen willst, musst du die passenden Distanzzonen einhalten.
Zonen sind imaginäre Grenzen, die vorgeben, wie nah du einer anderen Person kommen darfst, ohne sie zu verärgern oder zu verunsichern. Es gibt vier persönliche Zonen, die du dir merken solltest: die intime, die persönliche, die soziale und die öffentliche Zone.
Die intime Zone
Die Zone, die dem Gegenüber am nächsten liegt, heißt intime Zone. Sie reicht bis etwa einen halben Meter an die Person heran. Nur als sehr enger Freund oder Familienmitglied darfst du dich dieser Zone ohne Weiteres nähern.
Die persönliche Zone
Wenn du dich in Gesellschaft bewegst, solltest du den Abstand auf rund 60 Zentimeter ausdehnen, um nicht aufdringlich zu wirken. Dieser Abstand ist besonders im Umgang mit dem anderen Geschlecht nützlich. Kommst du zu nah, kann das als Signal gedeutet werden, dass du dich zu der Person hingezogen fühlst, und das ist vielleicht gar nicht deine Absicht.
Die soziale Zone
Im Umgang mit Fremden oder flüchtigen Bekannten wie Taxifahrern oder dem Hausmeister deines Gebäudes ist ein Abstand von etwa 1,20 Meter angemessen. Auf diese Distanz kannst du immer noch recht lebendig interagieren und die Körpersprache der anderen Person gut beobachten.
Fühlst du dich mit 1,20 Meter nicht ganz wohl, kannst du die soziale Zone problemlos vergrößern. Dein Gegenüber fühlt sich auch bei einem größeren Abstand wohl, und in der Regel sendet ein zusätzlicher Schritt Abstand keinerlei negative Botschaft.
Die öffentliche Zone
Und schließlich: Wenn du zu mehr als zwei Personen gleichzeitig sprichst, solltest du deinen öffentlichen Abstand auf mindestens 1,80 Meter vergrößern, damit du alle Mitglieder des Publikums angemessen ansprechen kannst.
Stehst du zu nah, verfehlt die Ansprache einer Gruppe ihren Zweck, und manche Zuhörer könnten das Gefühl bekommen, absichtlich aus der Interaktion ausgeschlossen zu werden.
Kultureller Hinweis: In manchen Ländern, etwa in Frankreich, ist die soziale Zone deutlich kürzer als in den meisten anderen Ländern. Bist du dir über die richtigen Distanzzonen in einem fremden Land unsicher, beobachte einfach die Einheimischen und übernimm deren Normalverhalten, um Probleme zu vermeiden.
Was drücken Handgesten aus?
Handgesten sind, genau wie Distanzzonen, entscheidend dafür, deinem Gegenüber die richtige Botschaft zu vermitteln.
Hier sind einige Hinweise für das Gestikulieren mit den Händen:
1. Ehrlichkeit
Wenn eine Person ihre Handflächen zeigt, sagt sie damit: “Hier ist die Wahrheit.” Offene Handgesten, die die nackte Handfläche zeigen, sind Zeichen von Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit.
Manche Menschen setzen diese Geste ein, wenn sie zu lügen versuchen. Doch sie sind leicht zu entlarven, weil andere Mikrosignale sie verraten.
2. Eine Bitte äußern
Wenn du eine Bitte äußerst, vermeide es, sie mit nach unten gerichteter Handfläche vorzubringen. Das ist eine sehr negative Geste und bedeutet, dass die andere Person einen niedrigeren Rang oder Status hat als du.
Selbst wenn du der Chef bist oder die andere Person tatsächlich in irgendeiner Weise eine niedrigere Stellung hat: Diese Geste erzeugt sofort inneren Widerstand bei deinem Gegenüber. Nutze stattdessen eine offene Handfläche für deine Bitte und achte darauf, nicht “die Luft zu zerhacken”, während du die Details erläuterst.
Kraftvolle Gesten wie das “Zerhacken der Luft” suggerieren ebenfalls, dass du am längeren Hebel sitzt, und das kann leicht nach hinten losgehen.
3. Der ausgestreckte Zeigefinger
Eine weitere Handgeste, die du vermeiden solltest, ist der ausgestreckte Zeigefinger. Diese Geste stellt keine Augenhöhe her, und dein Gegenüber kann das Gefühl bekommen, zu etwas gedrängt zu werden, das er nicht will.
Sofern nicht unbedingt nötig, benutze keinen ausgestreckten Zeigefinger, um etwas zu betonen. Willst du natürlich die Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand wie eine Landkarte lenken, ist Zeigen selbstverständlich angebracht.