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Überzeugungen

Wenn Glauben Sehen bedeutet

Warum sehen Menschen die Welt so unterschiedlich? Stell dir für einen Moment Folgendes vor: An einem klaren Nachmittag passiert ein Verkehrsunfall. Du stehst gerade in der Nähe eines Zebrastreifens, als es kracht. Drei weitere Personen haben den Unfall ebenfalls gesehen. Als die Polizei eintrifft, um den Hergang zu klären, fragt dich ein Beamter, ob du eine Zeugenaussage machen kannst.

Du erzählst deine Version, und der Beamte überprüft ein paar Details, indem er dich bittet, die Ereignisse noch einmal zu schildern. Er gleicht deine Geschichte mit einer früheren Zeugenaussage ab, die er wenige Minuten zuvor aufgenommen hat.

Du hörst, wie die anderen Zeugen ihre eigenen Versionen des Geschehens erzählen. Und irgendwie weichen die Details der anderen Geschichten leicht von deiner persönlichen Schilderung des Unfalls ab.

Warum sich Berichte über dasselbe Ereignis immer unterscheiden

Wenn zwei oder drei Menschen dasselbe Ereignis zur selben Zeit beobachten, werden ihre Geschichten immer leicht voneinander abweichen.

Diese Unterschiede entstehen durch unsere mentalen Filter.

Unsere mentalen Filter wirken auf beide Teile des menschlichen Geistes, den bewussten und den unbewussten. Sie bestimmen außerdem unbewusst, auf welche Art von Informationen du dich in verschiedenen Situationen konzentrierst.

Dabei sind unsere mentalen Filter ständig in Entwicklung. Gesteuert werden sie jedoch hauptsächlich von unserem Wertesystem und unserem Überzeugungssystem. Selbst wenn du deine Sichtweise auf etwas ändern wolltest, ist das also nicht immer leicht, weil auf der unbewussten Ebene bereits gefestigte Überzeugungen und Werte existieren.

Wenn Filter zur Realität werden

Mentale Filter können auch auf die Realität projiziert werden.

Wenn wir einen bestimmten mentalen Filter auf die Welt projizieren, neigen wir dazu, die Dinge auf eine ganz bestimmte Weise zu sehen. Negative Filter, einmal auf Situationen oder Menschen projiziert, können dazu führen, dass wir die Welt in einem äußerst unvorteilhaften Licht wahrnehmen.

Ein Beispiel: Ein Mann glaubt, seine Bürokollegen wollten ihn loswerden oder in eine andere Abteilung abschieben. In der Folge fehlinterpretiert oder überinterpretiert er womöglich jede Aussage und jede Geste seiner Kollegen. Er beginnt vielleicht, sich zu isolieren, oder reagiert gereizt, sobald jemand irgendeine Form von Feedback zu seiner Arbeit gibt.

Seine Teamkollegen wiederum könnten sein Verhalten als unsozial, aggressiv oder unkooperativ wahrnehmen, was dann wiederum ihr Verhalten ihm gegenüber verändert. Diese unbeabsichtigten Reaktionen können die “Fantasie” des negativen Filters am Ende in eine unbestreitbare Realität verwandeln.

Was sind mentale Frames?

Mentale Frames sind spezielle Filter, mit denen wir uns auf bestimmte Aspekte der Realität konzentrieren. Wenn eine Person einer Sache Aufmerksamkeit schenkt, gibt sie dieser Sache sozusagen einen Rahmen, einen Frame.

Hier ein paar Beispiele:

  • Aktivität: Fernsehen. Frame: Genuss-Frame, sehr entspannt und fröhlich.
  • Aktivität: Den Kühler eines Autos reparieren. Frame: Problem-Frame, negativ gestimmt und fokussiert darauf, was andere zum Problem beigetragen haben.

Das sind zwei einfache Beispiele für mentale Frames, die wir tagtäglich nutzen. Negative Frames wie der Problem-Frame können deine Fähigkeit, Probleme zu lösen oder Freude aus Aktivitäten zu ziehen, tatsächlich massiv beeinträchtigen. Negative mentale Frames tauchen gern zu den ungünstigsten Zeitpunkten auf, und es kann schwer sein, aus ihnen auszusteigen, wenn du gar nicht weißt, dass es sie gibt.

Der Problem-Frame

Der häufigste negative Frame in ganz alltäglichen Situationen ist der Problem-Frame. Theoretisch müsste der Problem-Frame die Lösung eines Problems eigentlich beschleunigen, denn er hilft dabei, die Elemente einer Situation zu analysieren, die den Rückschlag überhaupt erst verursacht haben.

Doch statt Menschen zu ermutigen, aktiv zu werden und das aktuelle Problem konstruktiv anzugehen, befeuert der Problem-Frame oft das gegenseitige Schuldzuweisen. Das kann den Lösungsprozess verlangsamen oder komplett zum Stillstand bringen.

Um diese Situation zu vermeiden, solltest du dich bewusst bemühen, aus dem Problem-Frame auszusteigen und in einen positiven, handlungsorientierten mentalen Frame zu wechseln. Die folgenden Fragen sind untrügliche Anzeichen dafür, dass du im Problem-Frame feststeckst:

  1. Was verursacht das Problem eigentlich?
  2. Wie lange besteht das Problem schon?
  3. Wer ist dafür verantwortlich? Wem kann ich die Schuld für dieses Problem geben?
  4. Warum ist das überhaupt passiert?
  5. Warum wurde bisher nichts unternommen, um es zu lösen?
  6. Warum ist das Problem nach all der Zeit immer noch da?
  7. Hilft die verantwortliche Person überhaupt mit, das Problem zu lösen?

Wenn du dich bei diesen Fragen ertappst, konzentrierst du dich zu stark auf die negativen Facetten deiner aktuellen Situation. Du steuerst geradewegs in die Zone, in der es keine Lösung gibt. Denn solange du dich vor allem damit beschäftigst, wer das Problem verursacht hat, sucht dein Verstand nicht aktiv nach Wegen, es zu lösen.